Kategorie-Archiv: Social Networks

Social Networks für Nischen

Dieser Artikel ist gestern auf sueddeutsche.de erschienen. Der Autor stellt die These auf, dass die großen Netzwerke wie MySpace oder Friendster zu groß geworden sind. Das die Menschen sich dort (auch aufgrund von Konzernzugehörigkeit) nicht mehr aufgehoben fühlen.

Als Lösung sieht der Autor Social Networks für spezielle Zielgruppen. Er führt Beispiele an, wie eine Community für Snowboarder.

Ich meine, der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Spezialisierungen sind der Key. Die Leute da abholen, wo ihre Interessen sind. Und nicht in einer riesigen Community. Surfer wollen Surfer kennenlernen und nicht die pickeligen Teenager, die über Tokio-Hotel & Co. schreiben und den anderen Mitgliedern die Mailboxen vollspammen.

Social Networks 5 – nach Herkunft

Eine weitere spannende Zielgruppe sind die verschiedenen Bevölkerungsschichten, die eine gemeinsame Herkunft haben. In der Regel verbindet die gleiche Hautfarbe oder die gleichen Vorfahren die Menschen miteinander. Oft werden Partner auch wieder in dieser Zielgruppe gesucht und man unterhält sich über die gleichen Themen, wie Politik und Traditionen.

Die USA als Multikulti-Land sind für solche speziellen Social Networks natürlich geschaffen. Hier gibt es 3 große Communities.

Screenshot Blackplanet.com

Blackplanet richtet sich an die schwarze Bevölkerungsschicht, die bekanntermaßen in den USA sehr groß ist. Aktuell sind 15.771.556 Mitglieder angemeldet. Die Community bietet nahezu alle Funktionen, die ein gutes Social Network ausmachen. Das Design ist modern und übersichtlich, die Funktionalität sehr gut.

Screenshot Migente.com

Migente.com richtet sich an die Latinos. 2.654.429 Mitglieder zählt das Angebot. Die Funktionalitäten sind die gleichen wie bei Blackplanet.com da die Site vom gleichen Anbieter Community Connect Inc. betrieben wird.

Screenshot Asianavenue

Der Dritte im Bunde ist Asianavenue mit der Zielgruppe der Amerikaner asiatischer Herkunft. 1.441.880 nutzen das Angebot, welches ebenfalls von Community Connect betrieben wird.

Auf dem deutschen Markt gibt es Vaybee, eine Community für Türken.

Screenshot Vaybee

Das Angebot wurde im Jahr 2000 ins Netz gestellt und ist seit dem optisch kaum verändert worden. Es kommt noch als web1.0 Portal daher, eine Überarbeitung ist dringend nötig und nach Aussagen der Betreiber auch in Arbeit. Die Türken stellen in Deutschland sicherlich die größte Zielgruppe ausländischer Herkunft dar. Der Markt ist durch Vaybee bereits gut besetzt.

Welche weiteren Zielgruppen gäbe es? Polen, Russen, Osteuropäer allgemein? Es ist fraglich, ob die verbleibenden Zielgruppen groß genug sind, als das der rentable Betrieb eines Social Networks für diese Zielgruppen möglich wäre.

Bloomstreet.de

Logo Bloomstreet

Bloomstreet.de ist seit einigen Tagen online. Grund genug, mich da einmal anzumelden. Bloomstreet soll die Antwort von Bertelsmann auf MySpace sein. Um so gespannter darf man natürlich sein, wie gut oder schlecht die Umsetzung ist.

Auf den 1. Blick wirft mich die Seite nicht um. Das Layout trifft nicht meinen Geschmack. Muss es vielleicht auch nicht. Die Anmeldung verläuft etwas schwierig. Den Code, den ich zur Authentifizierung eingeben soll, kann ich 3x nicht richtig lesen und gebe demzufolge 3x die falschen Buchstaben ein. Dann endlich geschafft. Die Einrichtung des Profils geht zügig. Auffällig ist, es wimmelt von Werbung. Nicht nur Bigsize-Banner, sondern auch noch im Content integrierte Ads. Überall blinkt es. Die Vermarktung hat im übrigen orangemedia übernommen, ein Unternehmen welches ich 1999 gegründet habe und was heute zur Ströer-Gruppe gehört. Gute Arbeit, Jungs!

Auf Bloomstreet kann man seine Fotos und Musik hochladen, eine eigene Homepage einrichten und sich natürlich mit seinen Freunden im Netzwerk verbinden.

Viele Mitglieder scheint Bloomstreet noch nicht zu haben. Meine Suche nach Frauen zwischen 18 und 30 ergab etwa 70 Ergebnisse. Die Suche Männer und Frauen von 18 bis 99 Jahre ergab etwa 270 Mitglieder. Da waren auf jeden Fall schon mehr auf den diversen Parties von Bloomstreet ;-)

Der Eindruck den Bloomstreet bei mir hinterlassen hat: etwas angestaubtes Design, nichts Neues – es gibt bereits Plattformen am Markt die mehr Funktionen bieten und übersichtlicher sind. Ich bin etwas enttäuscht, hatte mir von einem Konzern wie Bertelsmann doch mehr erwartet. Natürlich, es ist nur eine Beta-Version und wird weiter ausgebaut. Aus meiner Sicht ist das auch dringend nötig, wenn sie auch nur den Hauch einer Chance gegen MySpace & Co. haben wollen.

Screenshot Bloomstreet

Social Networks 4 – Zielgruppe: Familie

Die Serie über Social Networks setze ich heute mit einer Übersicht der Angebote für Familien fort.

Warum gerade ein Social Network für Familien? Was ist an der Zielgruppe so interessant? Zum einen natürlich ist die Größe der Zielgruppe interessant. Die Mehrzahl der Menschen lebt in einer Familie zusammen und hat früher oder später Kinder. Zum anderen aber ist das Nutzungsverhalten der Familien sehr interessant. Ich bin seit einigen Monaten Vater und weiß, wie sich das Leben durch Schwangerschaft und später ein Kind verändert. Früher habe ich die Leute belächelt, die ihre Kinderfotos stolz gezeigt haben und nur noch von den Kindern erzählt haben. Mittlerweile kann ich das aus eigener Erfahrung zumindest nachvollziehen.
Wobei kann ein Social Network Familien helfen?
- Kontakt zu Personen in der gleichen Situation finden und pflegen
- Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen
- Vernetzen der eigenen Familie (Großeltern, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen – da kommt schnell eine Menge von Personen zusammen)
- Upload von Fotos und Videos der Familie und insbesondere der Kinder (so kann die Familie stets auf dem Laufenden bleiben)
- Koordination von Events (Geburtstags-, Familienfeiern)

Es gibt also viele gute Gründe, sich bei einem Familien-Network anzumelden und dieses auch rege zu nutzen.
Wie sehen die Geschäftsmöglichkeiten eines solchen Angebots für den Betreiber aus?
Die Zielgruppe der Familien ist insbesondere aus Sicht der Werbetreibenden sehr interessant. Denn mit Kindern kommen ganz neue Investitionen auf eine Familie zu. Da ist natürlich der Klassiker, dass Papa seinen Porsche verkaufen muss und sich ein familienfreundliches Auto kauft. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass es dabei nicht bleibt. Da muss Kleidung gekauft, das Kinderzimmer eingerichtet und die ganzen kleinen Dinge des täglichen Bedarfs für ein Kind gekauft werden. Für die Werbetreibenden ist aber auch die Ansammlung von Informationen in den Profilen der Mitglieder interessant. So sind auch die Geburtsdaten der Kinder bekannt (wann werden Geburtstagsgeschenke benötigt, wann ist Schuleinführung, …) aber auch die Informationen des Rests der Familie inklusive der Möglichkeit die Verbindung von den Kindern zum Rest der Familie nachzuvollziehen.

Ein Social Network für Familien ist allein aus Sicht der erzielbaren Werbeeinnahmen sehr interessant. Weitere Einnahmequellen sind denkbar. So könnte ein Premiumaccount angeboten werden, der besondere Funktionen beinhaltet.

Logo Urbia

In Deutschland gibt es das Unternehmen Urbia, welches bereits 1999 gegründet würde. Urbia kann nicht wirklich als Social Network bezeichnet werden. Es ist eher ein Familienportal mit redaktionellen Themen, ergänzt durch Foren und einen Chat.

Anders sieht es in den USA aus. Dort haben sich schon eine Reihe von Anbietern etabliert.

Logo Mayas Mom

Mir gefällt am Besten das Angebot von Maya`s Mom. Das Design ist gefällig, die Anmeldung einfach. Ich kann als Nutzer meine Fotos hochladen, andere Menschen mit den gleichen Interessen oder der gleichen Lebenssituation kontaktieren und mich in Gruppen zu allen möglichen Themen austauschen. Nettes Feature: die witzigsten Sprüche der Kinder.

Ich beschränke mich nun bei den weiteren Anbietern auf die schlichte Erwähnung.

Logo Cafe Mom

Logo Club Mom

Logo Famster

Logo Mom Junction

Logo Minti.com

Logo Parentconnect

Logo Raisingthem

Es wird also deutlich, dass in den USA bereits eine Vielzahl von Anbietern im Segement Familien Network tätig sind. In Deutschland ist dieser Markt bisher nahezu unerschlossen. Mütter suchen bisher Rat und Austausch in technologisch veralteten Foren.

Ich möchte deshalb gerne in diesen Bereich investieren. Wenn Sie bereits ein bestehendes Konzept haben, nehmen Sie bitte mit mir Kontakt auf. Wenn Sie ein “hungriger” und kompetenter Gründer sind und Sie das Thema begeistert, dann nehmen Sie bitte auch mit mir Kontakt auf. Ich würde dann das Rahmenkonzept und die Finanzierung zur Verfügung stellen.

Social Networks 3 – Gay

Ich beginne heute mit einem Überblick über Social Networks für verschiedene Zielgruppen. Eine klare Ausrichtung auf Zielgruppen ist sehr erfolgsversprechend, da man eine hohe Stickiness erreichen kann.

Starten werde ich mit einem Überblick über die Gay-Plattformen.

Bekanntermaßen sind Schwule und Lesben Heavy-User. Der Markt in den USA scheint aber völlig überfüllt von Angeboten zu sein. Oder gibt es so einen großen Bedarf? Ich gehe hier auf die 8 größten Social Networks ein.

Logo Gay.com

Der Platzhirsch unter den Gay-Portalen ist gay.com. In den 90er Jahren entstanden, vor allem als Kontakthof der Zielgruppe. Das ganze wurde durch Magazin-Inhalte, Eventtipps, Shopping und weitere Portalinhalte ergänzt. Mehr als 2 Millionen registrierte Mitglieder nutzen das Angebot weltweit. Das Portal verfügt über solide Funktionen, eine perfekte Domain und über einen hohen Bekanntheitsgrad. Ein Relaunch unter Einbezug der neuen technischen Möglichkeiten würde gay.com aber gut tun.

Logo Connexion

Diese Non-Profit Site kommt etwas “altbacken” daher. Die Funktionaliäten sind eingeschränkt. Dafür ist die Seite komplett kostenlos zu nutzen, lediglich ein paar Ads tauchen ab und an auf. Ein Focus liegt auf Nachrichten aus der Szene und Politik und die User können darüber diskutieren. Aus meiner Sicht relativ unspannend, da die Seite die web2.0 Funktionalitäten nur sehr eingeschränkt nutzt.

Logo Jake

“Welcome to the world`s largest gay professional community”. So begrüßt die Seite seine Besucher. Laut Angaben der Betreiber sind 30.000 Mitglieder registriert, die mehr als 2 Millionen Nachrichten im letzten Jahr verschickt haben. Die Ausrichtung ist auf den Businessbereich. So kann jeder Nutzer auch gleich sein eigenes Geschäft eintragen. Das Angebot sieht sehr gefällig und professionell aus. Die Grundmitgliedschaft ist frei, möchte man aber den Dating-Bereich nutzen, muss man 10 Pfund pro Monat investieren.

Logo Lovetastic

“Finally, gay personals that treat you like a person”. Dieser Claim auf der Homepage soll die Zielgruppe definieren. Nicht die Leute, die “die schnelle Nummer” suchen, sondern Schwule, die den Partner fürs Leben finden wollen. Ob es dann tatsächlich so läuft, sei dahin gestellt. Eine freie Mitgliedschaft ist möglich, möchte man aber Nachrichten versenden (und das möchte “Mann”) dann werden US$6 pro Monat fällig.
Aus meiner Sicht die übersichtlichste Seite. Nacktfotos sind verboten, man setzt also auf Seriosität.

Logo DList

Bei DList.com geht es da schon wesentlich geradliniger zur Sache, wie man schon am “Nackte-Haut-Anteil” auf der Startseite sehen kann. Das Angebot ist werbefinanziert und für die User kostenfrei. Die Features können sich sehen lassen. Im eigenen Profil steht ein Musicplayer zur Verfügung, mit dem man seine Lieblingsmusik präsentieren kann. Es können eigene Fotos und Videos hochgeladen werden und ein Blog kann auch eingerichtet werden. Aufgrund des kostenlosen Angebots, und der Übersichtlichkeit erfreut sich die Seite großer Beliebtheit.

Logo manjam

Diese Seite bietet ein solides Networking-Tool, welches auch mobil nutzbar ist. Ergänzt wird das Angebot durch Job- und Business-Offerten, und einen Wohnmarkt bzw. Mitwohnmarkt (was auch immer man darunter verstehen mag …). Mit dem kostenfreien Zugang kann man mit anderen in Kontakt treten. Mit einem Premium-Account (US$ 20 pro Monat) wird man als User im oberen Bereich der Suchanfragen gelistet.

Logo Outeverywhere

Auch hier geht es natürlich darum, andere Leute kennenzulernen und möglichst in der realen Welt zu treffen. Die Seite sieht auf den ersten Blick nicht sehr einladend aus. Man kann erkennen, dass das Angebot den Ursprung in den 90er Jahren hat. Es wurden zwar einige web2.0 Features eingefügt (es gibt sogar eine Tag-Cloud), dennoch sieht die Seite etwas in die Jahre gekommen aus. Für 28 Tage steht ein kostenfreier Test des Angebots zur Verfügung, danach muss der User zahlen.

Logo Bigjock

BigJock ist kürzlich mit seiner Beta-Version gestartet. Auf den ersten Blick nichts anderes, als es die anderen Anbieter auch haben. Einzig die Hot or Not Liste, die schon mal vor ein paar Jahren angesagt war. Das Angebot ist werbefinanziert und kostenfrei für den User.

Logo Gayster

Gayster hat angekündigt, im Februar 2007 online zu gehen. Heute am 1.03.07 ist aber immer noch nichts zu erkennen. Im Blog konnte man lesen, dass Finanzierungsschwierigkeiten vorhanden sind/waren. Man darf gespannt sein.

Kürzlich gestartet ist Glee.com. Die Seite macht einen sehr angenehmen Eindruck und beinhaltet nahezu alle Elemente eines modernen Social Networks.

Der Vollständigkeit halber schreibe ich hier noch ein paar Links von Plattformen für Lesben auf.
OurChart.com
Olivia.com
Queensspeech

Es gibt also eine große Vielfalt von Plattformen in den USA. Die meisten haben nichts sonderlich Neues erfunden, irgendwie ähneln sich die Plattformen. Zentraler Mittelpunkt ist natürlich die Dating-Funktion. Ich vermisse viele nützliche Angebote auf Basis von User generated Content. So wäre ein wichtiges Feature, dass die Mitglieder Restaurants, Hotels, Shops, Produkte und so weiter bewerten könnten. Denn die Zielgruppe hat ja doch teilweise eine andere Sicht auf diese Dinge, wie heterosexuelle Menschen. Ein schwuler Freund erzählte mir neulich von einem Magazin/Reiseführer namens Spartacus, wo diese ganzen Tipps immer wieder veröffentlicht werden. So etwas benötigt die Zielgruppe online. Und zwar von den Mitgliedern selbst geschrieben.

Noch ein Blick auf den deutschen Markt. Das ist schnell abgehandelt. Die einst großen Portale gay.de, gayforum, eurogay haben seit dem Platzen der Internetblase und dem damit versiegenden Kapitalstrom der Venture-Capitalisten keine nennenswerte Entwicklung nach vorn gemacht. Die Gemeinde hat sich bei gayromeo eingefunden. Aber diese Plattform stammt auch aus einer früheren Zeit und bedient nur das Thema Dating.
Der Markt in Deutschland liegt in diesem Bereich fast brach. Auch wenn in Deutschland nicht so eine Vielzahl von Angeboten entstehen werden wie in den USA – ein bis zwei professionell umgesetzte Social Networks werden ganz bestimmt erfolgreich sein.

Social Networks 2 – allgemein

Hier die Fortsetzung zu Social Networks in Deutschland.

Derzeit gibt es die folgenden relevanten Netzwerke, wobei ich nur die betrachte, die den Titel web2.0 verdienen und nicht eine reine Kontaktplattform, sondern eben ein Network zum Pflegen von Kontakten sind.

Myspace
Ableger der amerikanischen Mutter mit weltweit mehr als 159 Millionen Mitgliedern. Hier kann der Nutzer seine eigene Musik & Videos hochladen, sein Blog einrichten, Eventeinladungen vornehmen, Kleinanzeigen schreiben und natürlich seine Kontakte pflegen. So nutzen zum Beispiel auch viele Künstler myspace, um ihre Musik zu promoten. Zum Beispiel mein Freund Karim Maataoui (Ex-Touchè Sänger). MySpace bietet ein großes Angebot an Funktionen, ist deshalb aber auf den ersten Blick auch recht unübersichtlich. Das Design ist sehr einfach und nicht mein Geschmack. So recht durchsetzen konnte sich myspace in Deutschland noch nicht. Die Gründe dafür kann man ähnlich sehen, wie ich sie gestern in meinem Artikel zu LinkedIn beschrieben habe.

aSmallworld.net
Hierbei handelt es sich um eine Plattform für die Upper Class. Eine Mitgliedschaft ist nur auf persönliche Einladung eines Mitglieds hin möglich. Es haben sich bereits viele Mitglieder der relevanten Zielgruppe angemeldet, so dass man viele “alte Bekannte” wiedertrifft. Und das nicht nur aus Deutschland und Europa, sondern weltweit.
Damit hören die Vorteile aber auch schon auf. Denn außer einem eingeschränkten Networking kann man mit dieser Plattform noch nicht viel mehr machen. Ich wünschte mir als Nutzer deutlich mehr Funktionen, wie ich sie auf anderen Plattformen finde. Und wie genial wäre es, wenn ich Reviews von den Nutzern über die besten Hotels, Restaurants, Clubs, Discotheken lesen könnte. Das wäre ein einmaliges Angebot, denn es wäre von Leuten geschrieben, die den gleichen Anspruch haben wie ich.
Fazit: asmallworld.net hat eine super Zielgruppe und ist ein Juwel, welches geschliffen werden muss. Es muss in die Weiterentwicklung der Funktionen und Angebote investiert werden. Das derzeit keine nennenswerten Erlöse über die Plattform erzielt werden, stellt angesichts der Zielgruppe kein Problem dar. Denn da fallen mir auf Anhieb einige sehr interessante Einnahmequellen ein.

StudiVZ
StudiVZ hat in den letzten Wochen vorallem wegen des spektakulären Kaufpreis von sich reden gemacht. Und Imageprobleme wegen dem Thema Datensicherheit bekommen. (erst gestern gab es einen erfolgreichen Hackangriff) Aber das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn man so in der Öffentlichkeit steht. Es kann nicht nur positive Berichte geben.
StudiVZ ist ein Social Network für Studenten. Gut umgesetzt, was Funktionalität und Übersichtlichkeit angeht. Auch wenn es auf den ersten Blick etwas spartanisch wirkt. Die Marktdurchdringung ist, wenn man den veröffentlichten Zahlen Glauben schenken darf, sehr hoch. Und tatsächlich wenn man sich auf der Plattform bewegt, stellt man fest, dass da ordentlich was los ist. Nach der Übernahme durch Holtzbrinck sollte genügend Geld vorhanden sein, um diese Marktposition zu festigen. Allerdings hat man oft gesehen, wenn die Gründer nicht mehr so motiviert sind wie vorher, kann eine solche Marktposition auch schnell wieder verloren gehen.
Was ich am derzeitigen Angebot und der Zielgruppe etwas ungünstig finde ist die Frage, wo gehen die User hin, wenn sie ihr Studium beendet haben? Wahrscheinlich wandern sie dann zu XING ab.

Lokalisten
Die Lokalisten kommen mit einem netten Design und einer gut umgesetzen Plattform daher. Es ist übersichtlich und ich habe mich sofort zurechtgefunden. Der Ansatz der Lokalisten ist, sich über die Region sein Netzwerk aufzubauen, da man natürlich in seiner Heimatstadt die meisten Kontakte hat. Allerdings habe ich trotz intensiver Suche niemanden gefunden, den ich kenne. Und das, obwohl laut Unternehmensangaben 750.000 Mitglieder aktiv sind. Offenbar gehöre ich nicht mehr zur Zielgruppe, vielleicht bin ich doch schon zu alt für die meisten Plattformen ;-)

neu.de
neu.de ist eine Singlebörse und gehört deshalb nur eingeschränkt zu dieser Aufstellung der Social Networks. Ich habe neu.de aufgenommen, weil die Plattform komplett überarbeitet und web2.0-fähig gemacht wurde. Ich kann mir als Nutzer nun auch mein Netzwerk in Form von Freunden zusammenstellen oder Einladungen für Events aussprechen. Wie ich aber schon in meinem gestrigen Artikel angedeutet hatte, glaube ich persönlich nicht, dass die Nutzer einer Singlebörse dort auch ihr Netzwerk aufbauen. Sobald jemand kein Single mehr ist, verlässt er die Singlebörse, denn er sucht ja nicht mehr und möchte das dem neuen Partner auch signalisieren. Er kehrt erst zurück, wenn er wieder Single ist. Eine Möglichkeit für neu.de wäre, die Software für eine neue Plattform zu nutzen, die sich auf Social Networking konzentriert. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

Networks in der Entstehung:

JoinR
Über JoinR wird in der einschlägigen Blogosphäre ja unglaublich viel geschrieben. Da wird sogar schon vom neuen MySpace-Killer gesprochen. Hoffentlich hat Robert Basic da nicht den Mund etwas voll genommen. Aus meiner Sicht ist JoinR noch in einer sehr frühen Beta-Phase und hat quasi noch keine Nutzer. Es ist also noch ein langer Weg ersteinmal myspace einzuholen, geschweige denn zu killen.
Allerdings ist das Potential vorhanden. Die Plattform gefällt mir mit dem frischen Design und ist übersichtlich. Und die beiden Gründer haben eine Story aufgezogen, die zumindest bei den Bloggern schon sehr rege aufgenommen wurde. Wenn die Beiden es schaffen, diesen Hype weiter auszubauen und damit auch in die reichweitenstarken Medien kommen, kann sich das sehr schnell rumsprechen und eine kritische Masse erreicht werden. Und natürlich brauchen die Gründer für ein solches Vorhaben kompetente Partner an der Seite. Denn die Ideen der beiden Studenten sind zwar toll, aber die wirtschaftliche Erfahrung fehlt ihnen ganz bestimmt noch.

bondea.de
Diese Plattform setzt auf die Zielgruppe Frauen und zwar nur auf diese. Männer müssen draußen bleiben. Bei der Anmeldung muss man mittels Paßkopie oder Telefonstimmenerkennung nachweisen, dass man eine Frau ist.
Das Design ist frisch die Funktionalitäten noch sehr eingeschränkt.
Den Vorteil sehe ich in der klaren Zielgruppe, der aber auch wiederum ein Nachteil sein kann. Denn es muss sich zeigen, ob Frauen wirklich unter sich sein wollen. Ich kann es nachvollziehen, wenn Frauen nicht immer von Männern belästigt werden wollen (man hat da schon oft von gehört). Aber ob das ausreicht, eine ausreichend große Nutzerzahl zu erreichen? Ich habe mir darüber noch kein abschließendes Urteil gebildet.

bloomstreet.com
Bloomstreet heißt der myspace-Klon von Bertelsmann. Noch kann man sich nicht anmelden und somit kann ich zu den Funktionalitäten noch nichts sagen. Die Ausrichtung wird wohl insbesondere in Richtung Medieninhalte (Musik) gehen, denn da ist die Stärke von Bertelsmann. Bloomstreet hat durch den Mutterkonzern wahrscheinlich eine gute finanzielle Rückendeckung. Der Vorteil “Konzern” kann aber auch schnell zum Nachteil werden, wenn die Manager in Ihren Entscheidungen aufgrund der Konzernpolitik eingeschränkt werden. Und Bertelsmann hatte bisher noch kein so gutes Händchen mit Internetprojekten, wenn ich da an BOL oder das damalige Auktionshaus mysold denke. Und was mir noch auffällt: bisher sind schon mehr Parties gefeiert worden, als es User gibt. Kein Problem mit den Bertelsmann-Millionen.

Der Überblick zeigt deutlich, dass der Markt der Social Networks in Deutschland noch sehr unterentwickelt ist.

OpenBC/Xing hat aus meiner Sicht den Standard im Businessbereich gesetzt. Ein neuer Anbieter wird es sehr schwer haben, denn die Marktdurchdringung von OpenBC ist schon enorm. Ich habe mindestens 1 Woche meiner Arbeitszeit zum Aufbau meines Netzwerkes bei OpenBC investiert und kann mir momentan nicht vorstellen, dass noch einmal bei einem anderen Anbieter zu tun.

StudiVZ hat ebenfalls eine große Marktdurchdringung in der Zielgruppe. Die finanzielle Rückendeckung von Holtzbrinck wird es anderen Anbietern sehr schwer machen, in diesem Bereich eine nennenswerte Größe zu erreichen. Allerdings kann die Zugehörigkeit zu Holtzbrinck sich auch zum Nachteil entwickeln.

asmallworld hat ebenfalls eine sehr gute Marktdurchdringung in der Zielgruppe. Allerdings muss hier dringend ins Produkt investiert werden.

myspace hat sich in Deutschland bisher nicht ausreichend durchsetzen können. Es bleibt abzuwarten, ob die neuen Anbieter JoinR und Bloomstreet die Amerikaner unter Druck setzen können. Unmöglich scheint das nicht, wenn man sich den Vergleich von OpenBC und LinkedIn anschaut.

Diese Aufstellung ist selbstverständlich nicht vollständig. Wenn Sie andere nennenswerte Projekte kennen, dann freue ich mich auf Ihre Kommentare. Wenn Sie eine gute Idee für ein Social Network haben, dann lassen Sie es mich bitte wissen. Denn wie bereits angedeutet, würde ich gerne ein Projekt in diesem Segment unterstützen.

Morgen werde ich über interessante Zielgruppen für Social Networks schreiben und über den großen Teich schauen, was es in dieser Richtung in den USA bereits gibt.

Social Networks

Nachdem ich gestern über die Erfahrungen meiner Frau bei openBC berichtet habe, möchte ich das Thema heute etwas vertiefen.

Ich starte mit einem Vergleich von OpenBC und LinkedIn und der Frage: Warum hat LinkedIn in Deutschland sich von OpenBC die Butter vom Brot nehmen lassen?

Logo linked In versus Logo xing

Der amerikanische Wettbewerber LinkedIn hat weltweit 9 Millionen Kunden, in Deutschland spielt die Plattform aber kaum eine Rolle. Woran liegt das? Auf den ersten Blick bietet LinkedIn deutlich mehr Funktionaliäten als OpenBC. Aber das macht es auch unübersichtlich und kompliziert. Ich glaube, dass ich ein erfahrener Internetnutzer bin, denn ich bewege mich seit 1995 beruflich im Internet. Aber ich wußte oft nicht, auf welche Buttons ich jetzt eigentlich klicken musste. Was ich an OpenBC so schätze, ist die klare Struktur, die es jedermann leicht macht sich zurechtzufinden. Jede zusätzliche Funktion macht das Angebot komplizierter und es muss wohl überlegt sein, welche neuen Features man noch einbaut. Auf den zweiten Blick wird aber schnell klar, warum openBC viel erfolgreicher ist. Zum einen wird der Service in den einzelnen Landessprachen angeboten, bei LinkedIn gibt es keine deutsche Übersetzung. Viel wichtiger ist aber, dass ich mich bei OpenBC auch als Nicht-Premium-Mitglied ersteinmal frei bewegen kann und mir mein Network aufbauen kann. Natürlich mit Einschränkungen. Bei LinkedIn hingegen kann ich noch nicht einmal das volle Profil der User sehen oder mich mit gefunden Freunden verbinden, sondern werde gleich zur Kasse gebeten. Und zwar richtig. Die günstigste Version der Mitgliedschaft kostet US$19,95 pro Monat, um die Plattform richtig nutzen zu können, muss ich aber US$50 oder gar US$200 pro Monat investieren. Und das bevor ich so richtig erkennen konnte, was mir die Plattform bringt. Da hat openBC das deutlich bessere System. 5€ im Monat kann jeder investieren, der im Berufsleben steht. Auch wenn OpenBC irgendwann die Preise erhöhen sollte, wird es funktionieren. Denn dann haben sich die User an OpenBC gewöhnt und möchten es nicht mehr missen.

Welche Kriterien sind also ausschlaggebend dafür, dass openBC die Nase gegenüber LinkedIn in Deutschland vorn hat?
- Usability. Einfache, intuitiv zu bedienende Oberfläche
- deutsche Ansprache des Kunden
- deutsches Management (kann besser auf den regionalen Markt eingehen, als Manager aus den USA)
- sinnvolle Nutzung auch ohne Premium-Mitgliedschaft möglich
- Premium-Mitgliedschaft kann sich jedes Mitglied leisten

Damit zeigt sich wieder einmal, dass die “alten Weisheiten” immer noch Bestand haben. Auch Ende der 90er Jahre glaubten die amerikanischen Unternehmen aus den USA gesteuert, den deutschen Markt bearbeiten zu können. Außer Google ist mir kein Beispiel bekannt, wo das funktioniert hat. Wenn man sich die Versuche von AOL, Yahoo, match.com und vielen anderen anschaut, zeigt sich, dass lokale Marktkenntnis und vor allem eigenständig entscheidungsbefugtes Management für einen Erfolg in Deutschland unerläßlich sind.

Eine interessante Betrachtung, die ich gestern hier gefunden habe, möchte ich noch aufgreifen. Nämlich ob es bei Communities Lebenszyklen gibt, d.h. ob die User irgendwann zur nächsten Community weiterziehen.

Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, so kann man den Eindruck haben. Welche der großen Communities von Ende der 90er Jahre existiert noch oder hat die führende Marktstellung erhalten? friendscout ist noch relativ weit vorn dabei. Aber die meisten Angebote sind vom Markt verschwunden, natürlich auch aufgrund der mangelnden Finanzierung nach dem Platzen der Blase.

Ich denke aber, dass man Singlebörsen oder die früheren Foren nicht mit den Social Network Plattformen der heutigen Tage vergleichen kann. Singles melden sich natürlich bei verschiedenen Anbietern an, um die Flirt-Chancen zu erhöhen. Und sobald eine Plattform mehr Werbung macht als die andere oder neue Funktionen bietet, ziehen die Flirtinteressierten weiter. Der Aufwand sein Profil bei einer Singlebörse einzurichten ist relativ gering. Ich muss mir kein Netzwerk aufbauen, sondern ich möchte ja nur mit Leuten in Kontakt kommen, die mich interessieren und nicht die Leute in mein Netzwerk aufnehmen, die ich kenne. Das könnte ja sogar kontraproduktiv sein (ich hoffe ich schätze das richtig ein, denn der Zielgruppe gehöre ich seit einigen Jahren nicht mehr an). Bei einer Plattform wie openBC verhält es sich dagegen völlig anders. In meinem Fall habe ich ein Netzwerk von derzeit 438 Personen eingerichtet. Das hat Arbeit gemacht, geschätzte 38 Stunden – wahrscheinlich sogar noch mehr. Ich werde mir also sehr genau überlegen, ob ich zum nächsten Anbieter gehe, nur weil der vielleicht gerade hip ist oder viel Werbung macht. So wie mir wird es vielen anderen Menschen auch gehen. Solange openBC auf der Höhe der technischen Entwicklungen bleibt und keine Fehler (z.B. Verletzung Datenschutz oder Sicherheitsprobleme) macht, wird die Masse der Nutzer bei OpenBC bleiben. Denn jedes Mitglied hat einen beträchtlichen Zeitaufwand betrieben. Das ist meine Meinung. Über Kommentare und auch andere Meinungen freue ich mich sehr.

Weiterführende Informationen, insbesondere zu kleineren Business-Netzwerken in Deutschland finden Sie hier.